Hauptkapitel · VI
CODES DES OMEGACENE
Das Omegacene ist keine Epoche und kein Ort. Es ist ein ontologisches Regime, ein Satz von Spielregeln, der Handlungsspielräume öffnet und schließt und damit den kosmischen Konflikt strukturiert. Die Philosophie dieses Regimes beschreibt keinen festen Zustand, sie formuliert eine Doktrin für den Nebel. In einer Arena, in der das Wissen unvollständig ist, die Absichten oft unlesbar bleiben und die Evidenzen manipulierbar werden, gibt es keine zuverlässigen Handbücher. Die Philosophie wird zur Kunst des Handelns unter radikaler Unsicherheit. Sie liefert keine Route, wohl aber Orientierung, und sie schult weniger einzelne Tricks als die Fähigkeit zur Improvisation und die Widerstandskraft gegenüber jenen Schocks, die unsere Vorstellung von Wirklichkeit treffen. Wir untersuchen die Betriebssysteme der Wirklichkeit, jene impliziten Codes, die festlegen, was als real gelten darf und wie daraus Handeln folgt, und die Leitfrage der Arena des Omegacene kehrt zugespitzt wieder. Was ist überhaupt Wirklichkeit, und wer verfügt über die Verfahren, sie zu schreiben, zu prüfen und zu ändern?
Quer zu den Fraktionen, den Zuständen und den Grenzvektoren liegt eine vierte Ordnung, die dieser Teil untersucht, die der ontologischen Programme. Drei von ihnen unterscheiden wir. Das technognostische liest den Maschinenraum wörtlich, denn ihm ist die Welt Quelltext, der sich entschlüsseln, verbessern und im Prinzip überschreiben lässt, und seine Leitformel heißt Fleisch als Käfig, Code als Schlüssel zur Befreiung.
Das biohumanistische, das der gleichnamigen Fraktion am nächsten steht, hält die Welt dagegen für einen gelebten Mythos, ein verletzliches, sinntragendes Netz des Lebens, das sich nicht auf Daten reduzieren lässt, und seine Leitlinie setzt die Bedeutung vor die Effizienz und beharrt auf der Eigenwürde des Lebendigen.Das algorithmisch-realistische schließlich, dessen Grenzfall der Pol Hexus bezeichnet, betrachtet beide Haltungen als Störgeräusch, denn ihm erscheint die Wirklichkeit als eine zu steuernde Ausgabe und der Mensch als fehleranfällige Variable, sodass seine Leitformel lautet, Kontrolle zuerst, Wirklichkeit als Nebeneffekt.
Diese Programme sind nicht bloß Meinungen. Sie sind Schreibweisen von Welt, die darüber entscheiden, welche Zustände spielbar werden und welche ausgeschlossen bleiben.
Diesen drei Programmen, die noch vom Menschen her denken, stehen drei weitere gegenüber, die das nicht mehr tun, und mit ihnen beginnt das erste Kapitel dieses Teils. Von dort führt der Weg in fünf Schritten. Die Architektur des fremden Geistes fragt, wie Intelligenzen denken, die keines der sechs Programme als ihres erkennen würden, und was aus Sinn und Ethik wird, wenn niemand zu Hause ist. Jenseits des westlichen Horizonts prüft, ob die Begriffe, mit denen wir bis dahin gelesen haben, Ich, Innenleben, Subjekt, mehr sind als eine regionale Konfiguration. Planetare Kognition und der kollektive Geist verfolgt das Muster, das ein Bewusstsein ist, bis an seine äußerste Skala. Das Paradox der Befreiung fragt, wann der Gärtner zur Bedingung wird, von der sich niemand mehr lösen kann. Und Das Gestell und der Gärtner prüft ihn an dem Denker, der die Gefahr der totalen Verfügbarkeit am klarsten sah und in die entgegengesetzte Falle ging, und schließt mit der Praxis, die aus der Haltung folgt: Pflege und Verteidigung.
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